GEW-Sportkommision

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Sportkommission der GEW
Dr. Gerhard Jeschull
(E-Mail: jeschull@gew-brandenburg.de)
 

Beschlussvorschlag (Stand 31.01.2002)

Arbeitsbelastung von Sportlehrerinnen und Sportlehrern

Die Sportkommission der GEW erachtet die Arbeitsbelastung der Sportlehrerinnen und Sportlehrer an den Schulen aller Bundesländer als zu hoch.

Die Arbeitsbelastung in dem komplexen Tätigkeitsfeld eines Sportlehrers setzt sich zusammen aus der Arbeitszeit, die für den verpflichtenden Unterricht nötig ist, aus der Arbeitszeit, die die außerschulischen Aufgaben bindet und aus der in diesem Zusammenhang stehenden physischen und psychischen Belastung.
Ist die Gesamtarbeitszeit und einige andere physiologische Maße (z.B. Lärm) noch relativ objektiv messbar, gibt es viele andere Belastungsparameter wo dies sehr schwer möglich ist. Zu nennen wäre z.B. das Verhalten schwieriger Schülerinnen und Schüler.
Vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen in den zurückliegenden Jahren stellten fest, dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit des Lehrers im Jahresverlauf weit über den 38,5 bzw. 40 Stunden im öffentlichen Dienst liegt. Eine fächerspezifische Abstufung bei der Gesamtarbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer wurde nicht signifikant nachgewiesen.
Es wurde weiterhin in Untersuchungen ermittelt, dass die psychische Belastung einer Lehrkraft im Vergleich zu anderen akademischen Berufen außerordentlich hoch ist.

Bei der Betrachtung der Gesamtarbeitsbelastung geht die Sportkommission von der Gleichrangigkeit und Gleichwertigkeit aller Unterrichtsfächer aus. Dies betrifft nicht nur die inhaltlich didaktische Begründung des Sports als Unterrichtsfach, sondern insbesondere auch den Aspekt der spezifischen Belastung der Sportlehrer.
Die Belastung der Lehrer ist nicht allein an den Kriterien "Vor- und Nachbereitung" bzw. "Korrektur", sondern vielmehr an allen Dimensionen des Unterrichts festzumachen. Dabei ist zu beachten, dass sich besonders in den letzten Jahren zunehmend viele Sporthallen in einem desolaten Zustand darstellen und häufig veraltete Ausstattungen besitzen. Zu dem ist festzustellen, dass die Bewegungsfertigkeiten und - fähigkeiten von Kindern zunehmend schlechter werden. Sie zeigen häufig bei einfachsten motorischen und koordinativen Aufgaben große Probleme in der Bewegungsausführung.
Die aufgezeigten Bewegungsprobleme der Schülerinnen und Schüler erfordern von den unterrichtenden Sportlehrern
- einen erhöhten Planungsaufwand mit aufwendigen Vorbereitungen,
- eine gesteigerte Aufmerksamkeit und intensivere Hilfestellungen während des Unterrichts um Ängste abzubauen und Verletzungen zu vermeiden,
- die Gestaltung des Unterrichts mit verstärkt differenzierenden Maßnahmen bis hin zu Elementen der Psychomotorik.
Man kann davon ausgehen, dass sich die mehrdimensionale Belastung für das Fach Sport bei den Lehrkräften im Wesentlichen wie folgt darstellt:

Spezifische Belastung der Sportlehrerlinnen

a) physisch


b) psychisch


c) zeitlich

Alle diese Faktoren, insbesondere die spezifischen physischen und psychischen Belastungen, stellen ein Äquivalent zu andersgearteten Belastungsfaktoren in anderen Unterrichtsfächern dar (z.B. die Korrekturbelastungen), so dass von einer Minderbelastung bei Sportlehrerinnen und Sportlehrern gegenüber anderer Lehrkräfte nicht gesprochen werden kann. Man muss weiterhin beachten, dass der Anteil der Sportlehrerinnen und Sportlehrer mit relativ hohem Alter (über dem 50. Lebensjahr) auch in den nächsten Jahren zunehmen wird, wodurch sich die Belastungsparameter verstärkt darstellen.

Die Sportkommission fordert daher die Gleichbehandlung aller Unterrichtsfächer bezüglich der Arbeitszeit der Lehrer/innen auch für die Zukunft. Es muss Schluss mit Äußerungen und Unterstellungen sein, die das Ziel verfolgen, dass die Sportlehrerinnen und Sportlehrer im Vergleich zu anderen Lehrkräften eine höhere Unterrichtsverpflichtung ableisten sollen.

Die GEW-Sportkommission fordert eine lineare Arbeitszeitverkürzung aller Lehrer/innen unter Berücksichtigung des Gleichheitsgrundsatzes aller Unterrichtsfächer. Darüber hinaus soll ein Stundenpool von 5 % bis 10 % für besonders belastete Kolleg/innen zur Verfügung gestellt werden.

Durch die GEW muss weiterhin auch für den Sportunterricht, wie für alle anderen praxisorientierten Fächer, die Forderung nach einer Verkleinerung der Klassenfrequenzen/Gruppenfrequenzen verstärkt eingefordert werden. Dadurch kann sich zum einen die Belastung der Lehrkräfte verringern, und zum anderen können dadurch die Sportlehrer/innen die Entwicklung der motorischen und koordinativen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler besser beeinflussen.

Bei der Betrachtung der Gesamtbelastung einer Sportlehrerin/eines Sportlehrers müssen auch die von ihnen vom Dienstherr/Arbeitgeber erwarteten außerschulischen Aktivitäten mit beachtet werden.
In den letzten Jahren haben die Sportlehrer/innen häufig unbezahlte Mehrarbeit in riesigem Ausmaß durch die Organisation und Durchführung der von den Kultus- und Schulbehörden in Verbindung mit den Spitzenverbänden des organisierten Sports forcierten Wettbewerb wie "Jugend trainiert für Olympia" u.a. geleistet.
Um außerschulische sportliche Maßnahmen auf ein normales Maß zurückzuführen fordert die GEW-Sportkommission die Einbeziehung der genannten Tätigkeiten in schulische Neigungskurse. Diese Kurse sind in das Stundendeputat zu übernehmen. Für Kinder und Jugendliche mit Defiziten in den Bewegungsfertigkeiten und -fähigkeiten ist in der Stundentafel aller Schulstufen der Sportförderunterricht einzurichten bzw. auszubauen.
Zur Deckung des zusätzlichen Bedarfs sind neue Beamtenstellen/Planstellen einzurichten.

Der Sportunterricht nimmt durch seine besondere Aufgabenstellung und eine nicht vollständig auszuschließende Gesundheits- und Verletzungsgefahr einen besonderen Stellenwert im Fächerkanon ein. Es ist daher möglichst immer ein fachgerechter Einsatz mit ausgebildeten Sportlehren erforderlich. Da die Arbeitsbelastung der vorhandenen Sportlehrerinnen und Sportlehrer bereits jetzt die Zumutbarkeitsgrenze erreicht hat, fordern wir auch im Interesse eines guten und sicheren Sportunterrichts für die Schülerinnen und Schüler die Einstellung von ausgebildeten Sportlehrerinnen und Sportlehrern in den Lehrerdienst der einzelnen Bundesländer. Die Ausbildungskapazitäten von Sportlehrern sind an den Universitäten/Hochschulen kritisch zu überprüfen und ggf. zu erhöhen. Dadurch kann die angestrebte dritte Sportstunde für alle Schülerinnen und Schüler mit einem qualitativ hohem Niveaus beibehalten bzw. umgesetzt werden.

Wir fordern alle Kolleginnen und Kollegen auf, die genannten Forderungen zu unterstützen.
 


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