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Gegen Ausweitung der Arbeitszeit
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Zur Arbeitszeit und Arbeitsbelastung von Lehrkräften Die aktuellen Entwicklungen in einzelnen Bundesländern bezüglich der Arbeitszeit von Lehrkräften führen zu großen Irritationen auf Seiten der Beschäftigten. Aus Sicht der GEW-Sportkommission gibt es bislang kein ausgewogenes Modell zur Berechnung von Lehrerarbeitszeit. In unterschiedlichen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde bislang eine fächerspezifische Abstufung bei der Gesamtarbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer nicht signifikant nachgewiesen. Daher plädieren wir bis zur Vorlage eines sämtliche Belastungsparameter umfassenden Untersuchungsergebnisses für eine Beibehaltung des bisherigen Pflichtstundenmodells. Eine umfassende wissenschaftlich abgesicherte Untersuchung zur Arbeitszeit und Arbeitsbelastung von Lehrkräften, welche die verschiedenen Belastungsparameter berücksichtigt, erachten wir als unbedingt notwendige Voraussetzung für eine fundierte inhaltliche Diskussion! Nach Ansicht der GEW-Sportkommission ist es falsch, nur das Belastungsparameter Arbeitszeit als Betrachtungsgegenstand zur Bewertung der Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern heranzuziehen. Entsprechend unserer Auffassung müssen alle Belastungsfaktoren bei der Betrachtung der Lehrertätigkeit einbezogen werden. Erst dann kann man feststellen, ob sich Unterschiede zwischen den Unterrichtsfächern in Bezug auf die Gesamtbelastung der Lehrkräfte ergeben. Ein „Punktemodell“, wie z.B. in Hamburg, welches große Teile des Arbeitsumfeldes eines Lehrers ausblendet und nur die angenommenen (geschätzten) Arbeitszeiten berücksichtigt, erachten wir als ungerecht. Die neuen Lehrpläne des Faches Sport haben die qualitativen Anforderungen des Sportunterricht zu recht gestärkt. Der Bereich der Kenntnisse zu den Bewegungsfeldern und pädagogischen Perspektiven stellt Anforderungen in Theorie und Praxis, die sicherlich mit denen der Fächer Kunst, Musik, Erdkunde, Physik, Chemie etc vergleichbar sind. Schriftliche Lernerfolgsüberprüfungen und mündliche Prüfungen sind auch im Sportunterricht gefordert und üblich. Die spezifischen Anforderungen im komplexen Tätigkeitsfeld von Lehrkräften mit dem Fach Sport ergeben sich aus dem verpflichtenden Unterricht und den, mit diesem in Zusammenhang stehenden physischen und psychischen Belastungen, sowie zusätzlich in der Bewältigung von vielfältigen außerunterrichtlichen Aufgaben, die vor allem das Ansehen der einzelnen Schule in ihrem Umfeld durch Vorführungen, Wettbewerbsteilnahme etc erheblich fördert und einer positiven Außendarstellung dient. Neben Vor- und Nachbereitung
des Unterrichts, Vorbereitung und Korrektur von Schülerarbeiten/Tests
und Klausuren, Eltern- und Schülergesprächen, Wettbewerbsvorbereitungen
und –betreuung sowie der Teilnahme an Konferenzen aller Art sind also erhebliche
mehrdimensionale und spezifische Belastungen von Sportlehrkräften
gegenüber den sogenannten „harten“ Fächern in den folgenden Bereichen
unverkennbar:
a. psychisch Erhöhte mentale Anspannung
durch die Notwendigkeit, eine Vielzahl von gleichzeitig
Die von einem modernen und guten Unterricht zu erwartenden Inhalte wie die Schlüsselqualifikationen Teamfähigkeit, soziale Kompetenzen, Kommunikationsfähigkeit, Leistungsbereitschaft, eigenverantwortliches Handeln u.a., das „Lernen mit allen Sinnen“ / Ganzheitliches Lernen und das Einüben gesundheitsbewussten Verhaltens sind schon seit langem Bestandteile eines zeitgemäßen Sportunterrichts. Zunehmende Bedeutung erhält der Sportunterricht durch zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre. Die neuere Gehirnforschung belegt sehr deutlich die große Bedeutsamkeit des motorischen Trainings im Kinder- und Jugendalter. Für die Vernetzung von Gehirnschaltungen sind Bewegung, Sport und Spiel unverzichtbare Teile bei der Verarbeitung von Lernstoffen sowie zur Unterstützung und Festigung von Lernprozessen. Die vielfältige Vernetzung von Nervenbahnen wird durch Bewegung stark gefördert und setzt außerdem eine ständige Wiederholung solcher Aktivitäten voraus. Der verstärkte Rückzug gerade von Sportlehrkräften auf ihr zweites Fach – sei es auf eigenen Wunsch wegen zunehmendem Alter oder aus Krankheitsgründen zwingend erforderlich, stellt ein unwiderlegbares Indiz für die extremen physischen und psychischen Belastungen des Faches dar. Vorgaben, welche als einzigen Parameter die Arbeitszeit beinhalten und andere Belastungen nicht berücksichtigen, sind demnach wenig hilfreich bei der Bewertung von Tätigkeiten im Unterrichtswesen. Im Sinne einer Gleichbehandlung aller Lehrkräfte und der Gleichwertigkeit aller Fächer fordert die GEW-Sportkommission eine differenziertere Betrachtungsweise bei der Erstellung von Arbeitszeitmodellen sowie eine Überarbeitung der bestehenden. Vorstellbar wäre für uns zum Beispiel ein Modell, welches die allgemeinen und vor allem die spezifischen Belastungen der Fächer berücksichtigt, sowie eine unbedingt erforderliche deutliche Erhöhung des Entlastungsstundenpools für besondere Aufgaben und außerunterrichtliche Tätigkeiten. Der offensichtlichen Abwertung des Faches Sport und damit einhergehend der qualifizierten Arbeit der Sportlehrkräfte durch die Politik muss Einhalt geboten werden. Dies im Interesse einer ganzheitlichen Bildung unserer Kinder und Jugendlichen, denn die Ergebnisse von PISA sprechen eine ganz deutliche Sprache! Auf Grund der veränderten gesellschaftlichen Bedingungen (die hinreichend bekannt sind und hier nicht nochmals explizit genannt werden müssen) und zusätzlicher Forderungen an die Lehrkräfte bezüglich ihres Aufgabenfeldes wünscht sich die GEW-Sportkommission außerdem schnellstmöglich eine lineare Arbeitszeitverkürzung für alle Lehrerinnen und Lehrer unter vorrangiger Berücksichtigung des Gleichheitsgrundsatzes aller Unterrichtsfächer und der Gleichwertigkeit aller Lehrkräfte. Wichtig erscheint uns hier
auch eine Solidarisierung der Lehrkräfte aller Fächer, egal ob
Korrekturfach oder sogenanntes „weiches“ Fach!
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