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  Stuttgarter Zeitung 2.1. 2003
 

Sportliche Höhenflüge stoßen in den Hallen an Grenzen

Ministerium plant flächendeckenden Ausbau der bewegungsfreundlichen Schule
- Leibesübungen bald in allen Fächern?

STUTTGART. Bei einer Olympia-Bewerbung spielt auch der Schulsport mit. Das Kultusministerium hat eine Konzeption entwickelt, die bundesweit vorbildlich sein soll. Praktiker wenden aber ein, dass es für die Umsetzung oft an Hallen und Lehrern fehlt.

Im Zeichen von Olympia streicht das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport seine Zuständigkeit für den Sport besonders heraus. Sein neues Konzept für eine sport- und bewegungsfreundliche Schule soll Impulse für eine erfolgreiche Bewerbung liefern. Erklärtes Ziel von Ministerpräsident Erwin Teufel und Kultusministerin Annette Schavan (beide CDU) ist es, Kindern und Jugendlichen früh und umfassend den Sport nahe zu bringen und Talente intensiv zu fördern.

Da Kinder sich wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge immer weniger bewegen, geht es zunächst darum, die Schüler regelmäßig auf die Beine zu bringen. Immer mehr Kinder haben motorische Mängel. Die Bedeutung der Bewegung für das Lernen wird zunehmend höher bewertet, vor allem bei den Kleineren. Auch deshalb soll der Sport aus den Hallen und der Beschränkung auf stundenplanmäßige Leibesübungen befreit werden. Angestrebt wird tägliche Bewegung in allen Fächern. So soll der gesamte Unterricht in Schwung gebracht werden.

Lehrer aller Schularten können sich in einem Fortbildungsprogramm für die täglichen Leibesübungen fit machen. Gemeinsam mit den Sportbünden gibt es Spezialangebote für Lehrer, die nicht Sport studiert haben. Für Projekte gibt es Zuschüsse von der Stiftung Sport in der Schule. Die Stiftung wurde 1997 vom Land zusammen mit dem Sparkassen- und Giroverband, der AOK, der Handelskette Edeka und der Firma Kellogg gegründet. Die Stiftung fördert sportpädagogische Vorhaben außerhalb der Schule, vor allem ehrenamtliche Initiativen von Lehrern, Eltern und Schülern. Mit der Stiftung werde die Vorreiterrolle des Landes im Schulsport gestärkt, erklärt das Kultusministerium. Als zweites Standbein wurde vor zwei Jahren die Stiftung Olympia-Nachwuchs Baden-Württemberg gegründet. Sie unterstützt 60 junge Spitzensportler aus Baden-Württemberg bei der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. Bei der Förderung des Schulsports setzt das Ministerium auch auf die Hilfestellung von Vereinen. Für die Zusammenarbeit der Klubs mit Schulen und Kindergärten stehen 1,4 Millionen Euro pro Jahr im Landeshaushalt.

Nicht nur Lehrer sollen im Training den Ton angeben. Knapp 7000 Schüler wurden bisher in 18 Sportarten zu Mentoren ausgebildet. Sie übernehmen Verantwortung bei der Mannschaftsbetreuung, in Arbeitsgemeinschaften und Projekten und gelten als Co-Trainer der Sportlehrer. Das Mentorenprogramm wendet sich an 13 bis 15 Jahre alte Hauptschüler. So genannte Tutoren spielen an den Partnerschulen der Olympia-Stützpunkte eine Rolle. Sie sollen helfen, dass die Spitzensportler durch versäumten Unterricht keine Defizite haben.

In der Schulsportoffensive wird angestrebt, dass an jeder Grund- und Hauptschule mindestens ein ausgebildeter Sportlehrer unterrichtet. Insgesamt gibt es nach Angaben des Kultusministeriums mehr als 18 650 Lehrer, die Sport unterrichten. Der Grundschule gilt dabei das besondere Augenmerk des Ministeriums. Im laufenden Schuljahr arbeiten bereits 475 Grundschulen an einem sport- und bewegungsorientierten Profil. Sie wollen mindestens 200 Minuten Sportunterricht pro Woche anbieten und machen ergänzende Bewegungsangebote. Das bedeutet täglich eine Stunde Sport oder Bewegung irgendeiner Art. Das Projekt wird durch das Institut für Sport der Universität Karlsruhe wissenschaftlich begleitet. Es soll in vier Jahren flächendeckend an allen Schulen des Landes verankert sein.

Allerdings stoßen die Konzepte der Landesregierung oft an der Infrastruktur an ihre Grenzen. Noch immer fielen viele Sportstunden aus, kritisiert Rainer Dahlem, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Für die meisten Klassenstufen an den weiterführenden Schulen sind drei Wochenstunden Sport vorgesehen. Dass diese tatsächlich stattfinden, sei eher die Ausnahme, bilanziert Heike Hauck, die Sportexpertin der GEW

Der Lehrerverband begrüßt zwar das Konzept der sport- und bewegungsfreundlichen Schule, wendet aber ein, dazu sei eine bessere Ausstattung notwendig. Zum Teil gebe es nicht genügend Sporthallen in den Gemeinden, zum Teil seien sie so weit entfernt gelegen, dass die Schüler länger mit Busfahren und Umziehen beschäftigt seien, als dass sie turnen könnten. Die GEW setzt sich auch für mehr ausgebildete Sportlehrer ein. Die größten Lücken tun sich in den Grundschulen und den beruflichen Schulen auf.

Die Sportbewegung im Land macht auch vor den Kindergärten nicht Halt. Vereinzelt gibt es bereits Betreuungsstätten mit Schwerpunkten in der Bewegungserziehung. Erzieherinnen können sich sportpädagogisch weiter- qualifizieren und zusätzlich eine Übungsleiterlizenz für das Eltern-Kind-Turnen oder das Vorschulturnen erwerben. Die Kindergärten hat das Ministerium in sein Schwerpunktprogramm für die nächsten fünf Jahre aufgenommen. Sie sollen langfristig mit den Grundschulen mit bewegungsfreundlichem Profil zusammenarbeiten. Angestrebt wird ein Gesamtkonzept, das die Bewegung der Kinder zwischen drei und zehn Jahren fördern soll. Dabei setzt das Land nicht mehr nur auf Reckturnen und Schwebebalken. Aus pädagogischen Gründen stehen im Schwerpunktprogramm für die nächsten fünf Jahre Trendsportarten wie Klettern und Inline-Skating ganz vorne auf dem Trainingsplan.
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

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