GEW-Sportkommision
..Was ist die GEW-Sportkommission?
..Landesverband Hessen
 
..
Sportkommission Hessen
.
GEWSportkommission
GEW Hessen
Links 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

.
 

..... .

Wolfs Arbeitszeitkommission in der Krise

Aus: Hessische Lehrerzeitung 4/04

Die hessische Kultusministerin will ein neues Lehrerarbeitszeitmodell. Es soll „mehr Gerechtigkeit" bringen und „das Image der Lehrkräfte in der Öffentlichkeit verbessern" (HLZ1/2004). Sie setzte eine Kommission ein, in der Lehrer- und Schulleiterverbände, Landeselternbeirat, Landesschülerrat, Kirchen, Kultusbürokratie und Personen mit persönlicher Einladung vertreten sind, auch die GEW und eine Vertreterin des Hauptpersonalrates. Die Kommission sollte bis April 2004 eine Empfehlung für ein neues Arbeitszeitmodell erarbeiten, das ab dem kommenden Schuljahr an je einer Schule pro Schulamt erprobt und 2005 dann allgemein verbindlich werden sollte.
Jetzt - Mitte März - ist die Kommissionsarbeit in der Krise. Das ist auch gut so, denn der Kommissionsauftrag versprach wahrlich nichts Gutes.

Kaum hatte Karin Wolff die Einsetzung der Kommission verkündet, lag Kochs Diktat einer brutalst möglichen Arbeitszeit- und Pflichtstundenerhöhung auf dem Tisch. Dass die Arbeitszeitkommission tatsächlich einen Beitrag zur überfälligen Entlastung von Lehrerinnen und Lehrern leisten sollte, hat auch bis dahin niemand geglaubt. Angepeilt war höchstens ein Nullsummenspiel, das Entlastungen für einzelne Gruppen durch Mehrbelastungen für andere ausgleicht. Geplant werden darf" - so der Leiter der Arbeitsgruppe Ministerialdirigent Liese -„nur im Rahmen des derzeitigen Stellenvolumens". Im Klartext: Für jede einzelne Stunde, die eine Lehrkraft aus diesem oder jenem Grunde entlastet werden soll, muss irgendwo in Hessen eine andere Lehrkraft eine Stunde mehr unterrichten.
 
Im Wortlaut
„Der HPRLL wird alle Vorschläge der Arbeitszeit-Kommission ablehnen, die eine Erhöhung der Pflichtstunden für eine Gruppe der Lehrkräfte bedeuten." (Beschluss des Hauptpersonalrats der Lehrerinnen und Lehrer vom 16. 9. 2003)

Zentrales Problem der Lehrerarbeitszeit ist jedoch nicht die „mangelnde Gerechtigkeit", sondern die Zahl der Pflichtstunden, die in Hessen einen historischen Höchststand erreicht hat, und die unzureichende Berücksichtigung der außerunterrichtlichen Arbeitsbelastung. Alle bisher vorgelegten Untersuchungen zur Lehrerarbeitszeit haben ergeben, dass die Arbeitszeit der Lehrkräfte unabhängig von Schulstufe, Schulform und Fächerkombination über der tariflichen Arbeitszeit im öffentlichen Dienst liegt. Die CDU-Landesregierung hat die Holzapfelsche Pflichtstundenerhöhung nicht zurückgenommen, sondern selbst neue historische Höchstmarken gesetzt. Sie erhöht die Belastungen auch durch ihren Hang zur Testeritis (Vergleichsarbeiten, Wettbewerbe, Abschlussprüfungen) und durch überflüssige neue Lehrpläne mit kurzen Halbwertzeiten.

Spaltung in den Lehrerzimmern
Die Kommission hat sich in den vergangenen Monaten mit Arbeitszeitregelungen von Hamburg bis Österreich befasst. Das Hamburger Modell, für die GEW vor Ort ein „absurd chaotisches Flickwerk mit Arbeitszeiterhöhung", erwies sich in den Diskussionen der Kommission als eine realitätsferne bürokratische Setzung von Zeitfaktoren, die letztlich so bemessen sind, dass die bildungs- und finanzpolitischen Vorgaben des Ministeriums erfüllt werden. Den Antrag, auch ein Mitglied des Hamburger Hauptpersonalrats einzuladen, lehnte der Kommissionsvorsitzende ohne Begründung ab. „Best practice"-Beispiele (wie die Deckelung der Pflichtstundenzahl in Österreich) wurden aus durchsichtigen Gründen nicht weiter verfolgt.
Obwohl das Ministerium in der Arbeitszeitkommission kein eigenes Modell vorlegte, war die Absicht erkennbar, die Lehrerschaft durch ein „Faktorenmodell" zu spalten. Im Rahmen eines Nullsummen-Spiels ist ein höherer Faktor für eine Unterrichtsstunde in diesem oder jenem Fach oder dieser oder jener Schulform gleich bedeutend mit einer höheren Unterrichtsverpflichtung für andere Lehrkräfte und dem Einstieg in absurde Debatten: Lässt die Sportlehrerin nur gemütlich den Ball rollen? Wie ist der Belastungsfaktor „Lärm" zu berücksichtigen? Sitzt der Hauptfachlehrer mit seinen Korrekturen auf der Terrasse, während die gestresste Kunstlehrerin das Chaos von 400 Schülerinnen und Schülern pro Woche organisieren muss?

Zudem erleichtert ein Faktorenmodell die zukünftige Verordnung weiterer Arbeitszeiterhöhungen: Es gäbe eine Vielzahl von Stellschrauben, an denen gedreht werden könnte: Mal hier eine halbe Stunde für Prüfungen weniger, mal da der Faktor für den Mathematikunterricht gekürzt, mal landesweit, mal nur auf Schulebene verändert. Da das Hamburger Modell ein Jahresarbeitskonzept ist, wäre es gleichbedeutend mit der Bilanzierung ausfallender Stunden - ein Vorhaben, das Kultusministerin Wolff 2001 wegen des massiven Drucks der GEW, der Schulen und der Personalräte zurückziehen musste.

Fächerfaktoren vom Tisch
Das Modell von Fächerfaktoren ist nach langen Auseinandersetzungen mittlerweile vom Tisch. Aber dafür sollen nun nach dem Willen der Kommissionsleitung andere Faktoren wie Klassengrößen, Korrekturen und Prüfungen die Arbeit „gerechter" verteilen. Ob es bei diesen bleiben wird oder noch weitere Belastungsfaktoren hinzu kommen sollen, darüber existieren in der Kommission sehr verschiedene Meinungen. Auch gibt es nach wie vor heftige Kontroversen über das „Auskömmlichkeits-prinzip", wie das Nullsummenspiel offiziell genannt wird. Deshalb hat die Kommissionsleitung' den eingangs beschriebenen Zeitplan aufgegeben. Einen neuen gibt es noch nicht.

Die GEW Hessen rief die hessischen Lehrerinnen und Lehrer Finde Februar auf, sich in Personalversammlungen mit den neuen Arbeitszeit modelten zu befassen. „Diese Gerechtigkeit wollen wir nicht!", antworteten schon zahlreiche Personalversammlungen und Personalräte. Für die Fortset/iing dieser Aktivitäten ist jetzt mehr Zeit gewonnen. Eine Arbeitsentlastung muss es gehen, und eine reine Arbeitsumverteilung darf es nicht geben. Krisen haben auch produktive Dimensionen.
 
 
 

Die Arbeitsbelastung von Sportlehrer/innen - Stellungnahme der GEW-Sportkommission
Informationen der GEW-Hessen: Diese Gerechtigkeit wollen wir nicht !