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Für
den Schulsport ist mehr Engagement nötig !
Setzt man sich derzeitig
mit Bildungsthemen auseinander, stehen die Ergebnisse der PISA-Untersuchung
schnell im Mittelpunkt der Diskussion. Leider hat die PISA-Erhebung keine
Verbindungen zwischen den geistigen Fähigkeiten und den körperlichen
Betätigungen der Schülerinnen und Schüler untersucht. Ein
Zusammenhang ist aber nicht zu leugnen.
Ich möchte die folgenden
Thesen zur Diskussion stellen und für deren Umsetzung werben.
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Schlüsselkompetenzen werden
im Sportunterricht überdurchschnittlich gut erworben, daher muss er
wie die sogenannten Kernfächer aufgewertet werden.
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Der Sportunterricht muss durch
Fachlehrer erteilt werden, da nur so eine Effektivität zu erreichen
ist.
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Drei Sportstunden pro Woche
ist das Minimum, um die Bewegungsarmut ansatzweise einzudämmen und
die Kinder an die Grundbewegungsfähigkeiten und -fertigkeiten heranzuführen.
Es ist erwiesen, dass
es einen positiven Zusammenhang zwischen der körperlichen Bewegung
und dem geistigen Arbeiten gibt. Weiterhin ist nicht zu unterschätzen,
dass sich beim Sporttreiben körperliche Stress-Symptome bestens abbauen.
Diese Erkenntnisse nutzen
einige Menschen bewusst für die Bewältigung ihres Alltages.
Durch die sportliche Betätigung
wird u.a. die Entspannung von der Arbeit gesucht und der Erhalt bzw. die
Stärkung der Leistungsfähigkeit angestrebt. Die erlangte Fitness
spielt ebenfalls zunehmend eine bedeutende Rolle.
Auch bei Kindern und Jugendlichen
ist zu beobachten, dass sich durch eine regelmäßige sportliche
Betätigung neben der Ausprägung von Bewegungsfähigkeiten
und -fertigkeiten eine bessere geistige Leistungsfähigkeit einstellt.
Diese Kinder und Jugendlichen wirken darüber hinaus häufig ausgeglichener.
Das Sporttreiben entwickelt
weiterhin besonders gut die Schlüsselkompetenzen wie Teamgeist, Toleranz,
soziale Kompetenz und Selbstwertgefühl. Daher nimmt der Schulsportunterricht
auch eine besondere Stellung im Fächerkanon der Schule ein.
Um die genannten positiven
Entwicklungen möglichst bei vielen Kindern und Jugendlichen auszulösen,
ist ein gewisser wöchentlicher Zeitrahmen für die sportliche
Betätigung nötig. Ob dafür die drei Schulsportstunden in
der Woche ausreichen, mag ich zu bezweifeln.
Die drei Schulsportwochenstunden
können aber einen wichtigen Einstieg darstellen, in dem sie das Erlernen
von Bewegungsabläufen, das Aneignen von Bewegungserfahrungen und das
Vermitteln von sportlichen Zusammenhängen und Verhaltensregeln befördern.
Nicht zu unterschätzen ist meines Erachtens die sich oftmals im Schulsport
entwickelnde Motivation bei den Schülerinnen und Schülern, sich
außerhalb der Schule weiter sportlich zu betätigen.
Schön wäre es,
wenn sich das Bedürfnis zum Sporttreiben schon im frühen Alter
einstellt. Daher sollte einem guten Schulsportunterricht im Grundschulbereich
eine besondere Bedeutung zukommen.
Es kann derzeit konstatiert
werden, dass bei einem Großteil der Schülerinnen und Schüler
ein allgemeines Bewegungsdefizit vorliegt. Dies beschränkt sich nicht
auf wenige Altersgruppen, sondern es ist ein allgemeines Phänomen.
Nach einer Berechnung von
Prof. Dr. Bös (Universität Karlsruhe) bewegen sich Kinder im
Alter zwischen 6 und 10 Jahren im Durchschnitt insgesamt nur eine Stunde
pro Tag und davon 15 bis 30 Minuten aktiv-sportlich.
Was den Zeitrahmen der aktiven
körperlichen Bewegung für die Schülerinnen und Schüler
angeht, muss, so meine ich, eine Umorientierung erfolgen. Es müssen
sowohl die Eltern, die Schule aber auch andere gesellschaftliche Kräfte
Veränderungen fördern und einfordern.
Der aufgezeigte Zustand
müsste doch eigentlich einen Aufschrei im Land hervorrufen. Selbst
Aussagen, dass der körperliche Zustand unserer Kinder desolat ist,
bewirken aber derzeit noch wenig.
Das das Europäische
Parlament das Jahr 2004 zum „Europäischen
Jahr der Erziehung durch Sport“ erklärt hat, kann in diesem Zusammenhang
sehr wichtig sein.
Für einen qualitativ
und quantitativ guten Sportunterricht scheinen aber oftmals die derzeitigen
Rahmenbedingungen an vielen Schulen nicht die optimalen Voraussetzungen
zu bieten. Auch die Effektivität vieler Sportstunden lässt zu
wünschen übrig. Nach Ermittlungen von Fachleuten liegt bei einer
gut laufenden Schulsportstunde derzeit die aktive Zeit für jeden Schüler
bzw. Schülerin bei maximal nur 14 Minuten.
Die Ursachen für die
derzeitige Misere im Sportunterricht kann man in folgenden Punkten sehen:
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Die Sportstätten und Sportgeräte
sind oftmals nicht in einem guten Zustand, was die Freude am Sporttreiben
einschränkt.
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Häufig werden bei der Stundenplangestaltung
beim Sportunterricht zugunsten solcher Kernfächer wie Deutsch, Mathe
und Englisch Abstriche zugelassen.
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Durch in den Sportunterricht
hineingelegte Zeiten für zweimaliges Umziehen und Körperpflege
geht des öfteren Zeit für den eigentlichen Unterricht verloren.
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Das methodische Vorgehen im
Sportunterricht ist nicht immer optimal. Gründe können durch
eine Überbelegung von Sportstätten auftreten. Sie liegen aber
auch teilweise in der Planung der Sportstunde durch den Lehrer.
Es muss die Aufgabe aller
werden, für einen besseren Schulsportunterricht zu streiten und nach
zusätzlichen körperlichen Bewegungsmöglichkeiten für
die Kinder und Jugendlichen zu suchen. Oftmals sind diese sogar kostenneutral
zu organisieren:
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Die Eltern sollten sich überlegen,
ob ihr Kind unbedingt mit dem Schulbus, den öffentlichen Verkehrsmitteln
oder dem „Mama-Taxi“ („Papa-Taxi“) jeden Tag den Schulweg bestreitet. Evtl.
ist das Fahren mit dem Fahrrad oder der Fußweg empfehlenswerter.
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Der Stundenplan der Schülerinnen
und Schüler darf nicht zu Lasten des Sportunterrichts gestaltet bzw.
verändert werden. An den drei Sportstunden pro Woche darf kein Abstrich
zugelassen werden.
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Der Sportunterricht ist so zu
legen, dass möglichst wenig Sportunterrichtszeit für das Umziehen
und die Körperpflege verloren geht. Die durchschnittliche aktive Zeit
im Sportunterricht muss durch methodische und organisatorische Überlegungen
ausgebaut werden. Auch deshalb ist grundsätzlich nur der Einsatz von
ausgebildeten Sportlehrern in diesem Fach vorzusehen.
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Bei dem Ausbau der Ganztagsbetreuung
an den Schulen sollte das Angebot von Sportneigungsgruppen mit in die Überlegungen
einbezogen werden. In diesem Zusammenhang kann eine Zusammenarbeit mit
den örtlichen Sportvereinen sinnvoll sein.
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Eltern und Lehrer sollten gemeinsam
die Kinder und Jugendlichen motivieren sich außerhalb der Schule
Sportvereinen anzuschließen. In diesem Zusammenhang erscheint es
wichtig, dass sportliche Erfolge, auch wenn sie noch so klein sind, gewürdigt
werden.
Gelingt es uns, die körperliche
Betätigung der Schülerinnen und Schüler zu erhöhen,
werden sich neben den positiven Effekten in Bezug auf die körperliche
Konstitution der Kinder und Jugendlichen auch andere Nebeneffekte unmittelbar
einstellen.
Die körperliche Fitness
der Schülerinnen und Schüler und die erworbenen Schlüsselkompetenzen
werden dazu beitragen, dass auch die geistigen Leistungsfähigkeiten
in anderen Bereichen steigen und sich Verhaltensmuster positiv gestalten.
Eine Untersuchung an zwei
Vergleichsschulen in Hessen ergab z.B. folgendes:
An der Schule an der über
drei Monate jeden Tag Sport unterrichtet wurde, war nach dieser Zeit die
Lust auf Unterricht bei den Schülerinnen und Schülern fast dreimal
so groß - bezogen auf alle Fächer. Die Aggressionen halbierten
sich und es war ein Absinken der Schulunfälle festzustellen.
Es ist eigentlich keine Zeit
mehr darauf zu warten bis sich die Einsicht für mehr Bewegungsangebote
- u.a. sportliche Betätigung - für die Schülerinnen und
Schüler bei den Politikern, Schulbehörden, z.T. Schulleitungen
und Lehrern, aber auch Eltern durchsetzt. Die Sportlehrerinnen und Sportlehrer
sollten im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Initiative an der Schule
ergreifen und wo nötig Überzeugungsarbeit leisten, denn die Kinder
und Jugendlichen werden es ihnen danken.
Dr. Gerhard Jeschull
(GEW-Brandenburg)
Februar 2004
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2004
- "Jahr der Erziehung durch Sport"
Bedeutung
vom Bewegung, Spiel und Sport
Sportkommission
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