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Kongress: Kinder bewegen – Energien nutzen
1. – 3. März in Karlsruhe

Ein Kommentar von Heike Hauck - GEW-Sportkommission
Stellungsnahme der Veranstalter zu diesem Kommentar

Unter diesem viel versprechendem Thema fand auf dem Campus der Uni Karlsruhe vom 1. bis zum 3. März ein Kongress statt, der vom Forschungszentrum für den  Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen (FOSS)  sowie den Universitäten Karlsruhe und Konstanz veranstaltet wurde.
Unter der Schirmherrschaft unserer engagierten Familienministerin und 7-fachen Mutter, Dr Ursula von der Leyen, die leider keine Zeit fand, durch ihrer Anwesenheit dem Kongress mehr Glanz und Öffentlichkeitspräsenz zu ermöglichen, waren nun die über geschätzten 300 Teilnehmer 2 1/2 Tage gefordert, ihrer Workshops und Arbeitsgruppen zu besuchen. 

Was haben wir uns erwartet? Natürlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse 
sowie Praxisbeispiele zu Bewegungsfragen für unsere generell zu wenig bewegten Kinder/Schüler/Vereinsmitglieder. Ein wirklich vielfältiges Angebot von Theorie und Praxis, verteilt über mehrere Institute und Gebäude, verschaffte vor allem uns Teilnehmern Bewegung. Ein Sammelsurium von all möglichen Themen wie „Praxisnahe Evaluation von Interventionsmaßnahmen im Bereich sportlicher Aktivität und psychomotorischer Förderung“…. bis zu … „Pappe satt“ – Erfolgreiche Ernährungskommunikation mit einem Kindermusical … über praktische Bewegungsspiele aller Art diente nicht unbedingt der Erkenntnis, wie schaffen wir es, die Bewegungsenergie unserer Kinder und Jugendliche möglich täglich und regelmäßig wirksam werden zu lassen. 

Natürlich war es angenehm diesen oder jenen Workshop zu besuchen - vorausgesetzt, man hat sich frühzeitig für 69 bzw. für 79 Euro angemeldet – ,aber hat der Kongress uns neue Perspektiven aufgezeigt, wie nun tatsächlich Kinder „Energien nutzen“ können? 

Praxisideen für spannende und kindgerechte Bewegungsmöglichkeiten sowie vielfältige theoretischer Erläuterung für die Notwendigkeit früher und vieler  Bewegungsanreize gab es genügend, nur sind wir Bewegungsengagierten keinen Schritt weitergekommen in der tatsächlichen Umsetzung im bundesdeutschen Alltag. Ein gut gemeintes Grußwort unserer Ministerin reicht nicht aus, um aus der Bewegungsmisere mit all ihren fatalen Folgen für unsere Kinder herauszukommen. 

Dass die Organisation dem Besucher einiges an Spontandurchblick und Kreativität abverlangt, war für „Sportleute“ nicht wirklich schlimm, nur dass man weder ein Hand-out noch eine zuverlässige Zusage für ein Nachsenden von Informationsmaterial bekommen konnte, war enttäuschend. Ich persönlich warte heute noch auf die Unterlagen der Untersuchungsergebnisse von Krafttests für Kinder sowie auf den Test selber. Wäre schön für das verausgabte Geld etwas Handfestes mit in meine berufliche Praxis zu nehmen, als nur von meinen spontanen Mitschrieben zu leben.

Fazit: 79 Euro, inklusive Gala-Essen (Mensa-Küche) sind ein stattlicher Preis für 2 ½ Tage bewegtes „Schnuppern“, ohne dass man handfestes Material für die eigenen Praxis erhalten hätte. Aber ich lass mich nicht verdrießen: vielleicht wird das Angebot beim nächsten Kongress in zwei Jahren themenzentrierter, überschaubarer und für die berufliches Praxis konkreter umsetzbar. Ein Versuch wär’s wert. So lang! 

Heike Hauck (GEW-Sportkommission)



Im Folgenden drucken wir die Stellungnahme der wissenschaftlichen und organisatorischen Leitung des Kongresses "Kinder bewegen - Energien nutzen“ ab. 

 
Sehr geehrte Frau Hauck, 

die wissenschaftliche und organisatorische Leitung des Kongresses "Kinder bewegen - Energien nutzen“ hat Ihren Kommentar auf der Webseite www.gew-sportkommission.de zufällig gelesen. 

Uns liegt sehr viel an der Rückmeldung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, gerne auch im persönlichen Dialog. Zudem führen wir durch Fragebögen bei Referenten, Teilnehmern und Ausstellern eine Qualitätskontrolle durch. In der Anlage die Ergebnisse der Rückmeldungen von über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Kongress. 

Wir sehen gleich in mehreren Punkten den Kongress nicht richtig dargestellt, teilweise sind Fakten falsch, andererseits möchten wir uns zu Ihrem Kommentar erklären:

"der vom Forschungszentrum für den  Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen (FOSS)  sowie den Universitäten Karlsruhe und Konstanz veranstaltet wurde"

Sowohl die Bundesanstalt für Ernährung und Lebensmittel als auch die AOK waren ebenfalls Veranstalter. 

"waren nun die über geschätzten 300 Teilnehmer"

Es waren über 760 Kongressteilnehmer plus 119 Referenten, 40 Aussteller und ca. 30 VIPs. 

"....mehrere Institute und Gebäude, verschaffte vor allem uns Teilnehmern Bewegung".

Die weiteste Entfernung zwischen den Veranstaltungsgebäuden lag bei 500 Metern (siehe hierzu beigefügter Plan)! Wir waren noch auf keinem Kongress mit Praxis-Workshops, wo die Entfernungen kürzer gewesen sind. Reine Seminarräume findet man vielleicht in Kongresszentren näher beieinander, nicht jedoch bei Einbeziehung von Sporthallen. Vergleiche mit Kongressen in Osnabrück oder Stuttgart möchten wir uns aufgrund der Offensichtlichkeit hier ersparen. 

"Ein wirklich vielfältiges Angebot von Theorie und Praxis, (...) diente nicht unbedingt der Erkenntnis, wie schaffen wir es, die Bewegungsenergie unserer Kinder und Jugendliche möglich täglich und regelmäßig wirksam werden zu lassen."

Bei dem Angebot von über 100 Arbeitskreisen und Praxis-Workshops sind viele von Praktikern für Praktiker ausgerichtet gewesen. Schade, wenn Sie einen anderen Eindruck hatten.  

"Ein gut gemeintes Grußwort unserer Ministerin reicht nicht aus, um aus der Bewegungsmisere mit all ihren fatalen Folgen für unsere Kinder herauszukommen."

Beim besten Willen kann ein Kongress nicht politische Entscheidungen ersetzen.

"Dass die Organisation dem Besucher einiges an Spontandurchblick und Kreativität abverlangt, war für „Sportleute“ nicht wirklich schlimm"

Was ist darunter zu verstehen? Die Organisation wurde von über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit der Schulnote 1,65 bewertet! Der Kommentar ist völlig unverständlich!

"Ich persönlich warte heute noch auf die Unterlagen der Untersuchungsergebnisse von Krafttests für Kinder sowie auf den Test selber. Wäre schön für das verausgabte Geld etwas Handfestes mit in meine berufliche Praxis zu nehmen, als nur von meinen spontanen Mitschrieben zu leben."

Auf der Kongresshomepage www.kinderkongress-karlsruhe.de stehen die Folien der Hauptvorträge und Kurzbeschreibungen zu den Arbeitskreisen und Praxis-Workshops zu Verfügung. Unsere Erfahrung mit einem ausführlichen Kongressband (255 Seiten) vom Kongress 2004 haben dazu geführt davon Abstand zu nehmen. Dennoch werden wir 2009 einen Mittelweg finden, der möglichst allen Belangen gerecht wird. 
 
"79 Euro, inklusive Gala-Essen (Mensa-Küche) sind ein stattlicher Preis für 2 ½ Tage bewegtes „Schnuppern“, ohne dass man handfestes Material für die eigenen Praxis erhalten hätte."

Die Planung, Organisation und Durchführung eines solchen Kongresses ist mit enormem personellen und finanziellen Aufwand verbunden. Dank der Unterstützung von Förderern und Sponsoren kann der Kostenbeitrag für die Teilnehmer auf unter 1/3 der tatsächlichen Kosten gedrückt werden. Vergleichbare Kongresse kosten -  soweit uns bekannt - alle mehr. Die mangelnde Qualität beim Essen haben wir wahrgenommen und werden dies nächstesmal ändern. Das Preis-Leistungsverhältnis ist von 93% der Kongressteilnehmer mit gut bis sehr gut bewertet worden! 

"Aber ich lass mich nicht verdrießen: vielleicht wird das Angebot beim nächsten Kongress in zwei Jahren themenzentrierter, überschaubarer und für die berufliches Praxis konkreter umsetzbar. Ein Versuch wär’s wert. So lang! "

Die nach wie vor aktuelle Thematik und in sehr hohem Maße positive Resonanz auf unseren Kongress veranlasst uns den nächsten für 2009 zu planen. Wir möchten Sie hiermit einladen an der Weiterentwicklung und Verbesserung der Arbeitskreise und Praxis-Workshop konstruktiv mitzuwirken. Helfen Sie, Frau Hauck, an der inhaltlichen Gestaltung des nächsten Kongresses 2009 mit. 

Wie bei einer guten Diskussion üblich ("Diskussion" steht ja als Titel über der Homepage) sind die Leserinnen und Leser Ihrer Homepage sicherlich an einer Stellungnahme der Veranstalter interessiert, so dass Sie diese E-Mail gerne in Bezug auf Ihren Kommentar hinzufügen können. 

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. 
 

Schöne Grüße
Prof. Dr. Klaus Bös (Universität Karlsruhe)
Prof. Dr. Alexander Woll (Universität Konstanz) 
Prof. Dr. Ulrich Oltersdorf (BfEL Karlsruhe)
Dr. Ilka Seidel (FoSS Karlsruhe)
Matthias Schlag (Universität Karlsruhe)

 
 
 
 
 

 

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