GEW-Sportkommision
..Was ist die GEW-Sportkommission?
..Landesverband Niedersachsen
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28.2. 2004 Hildesheimer Allgemeine Zeitung
 
 

"Es wird viel geredet, aber es passiert nichts" 

GEW-Sportvorsitzender Heinrich Pohl prangert Missstände im Schulsport an

Hildesheim (tbr). "Im Schulpsort tickt eine Zeitbombe", sagt Heinrich Pohl, erster Vorsitzender der Sportkommission Niedersachsen der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Bad Salzdetfurther ist resigniert: "Seit Jahren wird von der großen Bedeutung des Schulsports geredet. Und seit Jahren verändert sich nichts. Ganz im Gegenteil: Die dritte Sportstunde wird gestrichen."
 

HAZ: Herr Pohl, wie beurteilen Sie die derzeitige Situation im Schulsport?

Pohl: Man kann sie nur als unbefriedigend bezeichnen. Die ständig für alle Schüler geforderte dritte Sportstunde wird in Niedersachsen de facto nicht erteilt. Jetzt soll sie sogar ganz wegfallen. Die Sportlehrkräfte sind zum größten Teil überaltert, die materielle Situation verschlechtert sich zusehends. Der Stellenwert des Sportunterrichts sinkt leider auch im Bewusstsein der Eltern.
 

Wie kann man diese Entwicklung stoppen?

Zunächst sei erwähnt, dass es eine gute Zusamenarbeit zwischen GEW, Landessportbund (LSB), den Fachverbänden und dem Kreissportbund (KSB) gibt. Hierzu zählt insbesondere die Kooperation zwischen Schule und Vereinen. Ganztagsschulen bieten die Chance, den Sport nachmittags in das schulische Geschehen einzubinden. Alle diese Programme sind hilfreich, dürfen den Schulsport aber nicht ersetzen. Das gilt auch für Arbeitsgemeinschaften. Schulsport und Fortbildungen sind staatliche Aufgaben - und das muss so bleiben.
 

Was muss sich also ändern?

Ganz einfach: Der dreistündige Sportunterricht muss wieder Basis für jedes Konzept von Bewegungserziehung werden. An jeder Schule muss Sportförderunterricht für Schüler mit Bewegungsauffälligkeiten stattfinden. Der Sportunterricht muss von ausgebildeten Lehrern erteilt werden. Außerdem darf Sport nicht häufiger ausfallen als andere Fächer, die Gleichstellung mit den anderen Fächern muss gegeben sein.

Warum ist der Schulsport so wichtig?

Der Sport ist für die ganzheitliche Entwicklung von zentraler Bedeutung. Er leistet einen gezielten Beitrag zur Gesundheitserziehung. Sport kann das Sozialverhalten positiv beeinflussen. Aggressionen werden abgebaut und Leistungen in anderen Fächern positiv beeinflusst.

Welche Verbessungsvorschläge haben Sie noch?

Zum Bespiel die gezielte Bewegungserziehung im Kindergarten. Spielen allein reicht nicht. Dringend nötig ist auch eine bessere Ausbildung der Erzieher an Fachschulen. Der KSB Hildesheim geht hier durch Fortbildungsangebote für Erzieher einen beispielhaften Weg. Zudem muss die Ausbildung der Sportlehrer breitgefächerter angelegt werden. Die Schule muss sich auch Trend- und Funsportarten öffnen.

Können Sie konkrete Missstände aus dem Raum Hildesheim benennen?

Es gibt Grundschulen, die nicht einen einzigen Sportpädagogen haben. Einige Grundschulen können keinen kontinuierlichen Schwimmunterricht anbieten. Außerdem gibt es Schulen, die den Pflichtunterricht mit Übungsleitern aus Vereinen abdecken. Im Raum Hildesheim wurde vor kurzem eine große Sporthalle gebaut. Bei der Planung und Ausstattung wurden keine Schulsportexperten herangezogen. Ich wurde vom Sportausschuss des Landkreises eingeladen, diese und andere Mängel aufzuzeigen. Der KSB wurde beauftragt, aktiv zu werden und lud Schulsportexperten zu einem runden Tisch ein. Was ist bisher geschehen? Absolut nichts! 


 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

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