GEW-Sportkommision
..Was ist die GEW-Sportkommission?
...Eine Arbeitsgruppe für gewerkschaftlich orientierte Sportlehrer/innen
...und Sportwissenschaftler/innen............
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Jahrestagung der GEW-Sportkommission in Leimen (2002)
(Presseartikel der Rhein-Neckar-Zeitung 10.Okt.2002)
 

Sportunterricht gehört auf den Prüfstand
GEW-Sportkommission bedauert, dass bei der PISA-Studie der Sport vergessen wurde

Von Claus-Peter Bach

Heidelberg. Bei allen Folgerungen aus den niederschmetternden Ergebnissen der Pisa-Studie über die Fähigkeiten bundesdeutscher Schüler dürfe nicht vergessen werden, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist stecken könne. Diese Volksweisheit der alten Römer benutzt die Sportkommission der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die ihre Bundesversammlung in Heidelberg abgehalten hat und sich darum sorgt, dass die Notwendigkeit eines regelmäßigen und fachlich hochwertigen Sportunterrichts von wöchentlich mindestens drei Stunden von der Hysterie um die PISA-Ergebnisse überdeckt werden könnte.

„Wir stören uns daran, dass mit der Pisa-Studie die sportliche Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler nicht überprüft wurde. Dies hat zur Folge, dass der Schulsport in der gegenwärtigen notwendigen Diskussion um die Wirksamkeit des Lernens in der Schule keinerlei Rolle spielt", sagt Heike Hauck (Heidelberg).

Hauck ist Lehrerin am Heidelberger Helmholtz-Gymnasium und bildet in der GEW gemeinsam mit Siegfried Eith (Bühl) und Walter Vogel (Nürnberg) den Vorstand der Sportkommission. Dass der Schulsport, von Bundesland zu Bundesland in unterschiedlichem Ausmaß, alles andere als gut läuft und, was die Gesundheit der Heranwachsenden und damit deren Lernfähigkeit und Lernbereitschaft auch in anderen Fächern anbelangt, zu großen Sorgen Anlass gibt, steht für die GEW-Sportkommission fest. Denn in allen Ländern gebe es beträchtlichen Unterrichtsausfall, weil die Schulbehörden zu wenige Sportlehrer einstellen.

Walter Vogel weiß: „In Bayern sollen an Gymnasien laut Lehrplan wöchentlich vier Stunden Sport stattfinden. Tatsächlich sind es in diesem Jahr nur 2,6 Stunden, und 2001 waren es 2,0 Stunden." In diesen 2,0 Schulstunden (=1,5 reale Stunden) ist die Zeit für das Umkleiden der Lernenden, den Auf- und Abbau von Geräten oder den Weg zum Sportplatz oder Schwimmbad inbegriffen. Es bleiben kaum mehr als 45 Minuten für tatsächliche Bewegung in der Schule, pro Woche, wohlgemerkt! Dass die Lage in Baden-Württemberg besser ist, kann Heike Hauck nicht bestätigen: „Drei Stunden Sport finden zwar am Helmholtz-Gymnasium statt, aber das ist eine Partnerschule des Olympiastützpunkts Rhein-Neckar und damit eine Ausnahme."

Die GEW-Sportkommission weist auf die Wichtigkeit hin, Kindern frühzeitig Spaß am Sport und an lebenslanger Bewegung zu vermitteln, was natürlich nicht durch einen Unterricht nach den abschreckenden Ideen der „Deutschen Turnkunst" des Friedrich Ludwig Jahn, sondern nach den Vorstellungen der modernen Lehrpläne von Bayern, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erfolgen soll. Dort heißen die sportlichen Lernfächer nicht mehr Reckturnen, Bodenfußball, Wasserschlucken und Stangenklettern, sondern Sport und Gesundheit, Sport und Umwelt, Fairness und Kooperation sowie Leisten, Spielen und Gestalten. Die ganzheitliche Bedeutung des Sports wird deutlich herausgestellt.

Insofern kann die an der Universität Heidelberg von Professor Dr. Klaus Roth und Daniel Memmert entwickelte „Ballschule" ein Instrument zum ewigen Spaß am Sport sein. Walter Vogel verweist auf eine Studie des Sportpädagogen Professor Jürgen Court (Erfurt), der festgestellt hat, dass Zehnjährige bei einem sechsminütigen Dauerlauf heute 150 Meter weniger schaffen als vor zwanzig Jahren. Beim Jump-Test der Krankenkassen sprangen Zehnjährige im Jahre 1964 1,71 Meter weit, heute nur noch 1,16 Meter. Insgesamt habe sich, so Professor Court, die körperliche Fitness der Kinder zwischen sechs und elf Jahren um 13 Prozent verschlechtert. Mens sana in corpore sano - arme Krankenkassen!

Besonders wohlwollend steht die GEW-Sportkommission der geplanten Ganztagesschule gegenüber, die nach englischem Vorbild eine viel größere Möglichkeit bietet, den Sport in das schulische Geschehen einzubinden. Die Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Sportverbänden und Vereinen könne dabei nur hilfreich sein.

Allerdings weist die GEW-Sportkommission in einem in Heidelberg verabschiedeten Papier darauf hin, dass schon heute ein deutliches Ungleichgewicht in der Arbeitsbelastung zwischen Sportlehrern und Lehrkräften anderer Fächer bestehe. So seien Sportlehrer zeitlich, physisch und psychisch wesentlich höher belastet als Lehrer in den Fächern Mathematik, Deutsch oder Geschichte. „Das hat natürlich in erster Linie mit dem völlig anderen Ordnungsrahmen zu tun," sagt Walter Vogel, der sich im Sportunterricht auch keine mucksmäuschenstill dasitzenden Schülerinnen und Schüler wünscht und es persönlich gut verkraftet, wenn es beim lustvollen Spielen in der Sporthalle ein wenig lebhafter zugeht als bei den Experimenten im Physiksaal.

Vogel: „Lärm, Transport schwerer Geräte, körperliche Belastung bei Hilfestellungen, Demonstration von Bewegungsfertigkeiten und aktive Unterrichtsteilnahme sind allerdings für ältere Kolleginnen und Kollegen ein ebenso ernstes Problem wie die ständige Unfallgefahr. Und viele Sportlehrer sind in höherem Alter." Was also erneut auf das Hauptproblem des Sportunterrichts hinweist: Es gibt zu wenig (junge) Lehrer für einen modernen Sportunterricht, der allen Spaß bereiten könnte.
 
 
 
 

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