GEW-Sportkommision

Eine Arbeitsgruppe für gewerkschaftlich orientierte Sportlehrer/innen und Sportwissenschaftler/innen
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Arbeitsbelastung von Sportlehrerinnen und Sportlehrern

Sportunterricht wird bei Lehrern zur Knochenarbeit
SCHULSPORT-STUDIE:  Lärmpegel bei 90 bis 100 Dezibel
Niedersachsen kassiert die dritte Sportstunde

OLDENBURG/HN  -Sportunterricht ist für die Lehrer Knochenarbeit.
Der das sagt, hat eine enge Verbindung zur Praxis. Dr. Ulf Gebken ist ein Sportwissenschaftler, der sich an den Hochschulen in Oldenburg und Hannover komplett mit dem Schulsport auseinander setzt. Wenn Gebken selbst ins Tagesgeschehen eintaucht und Sportunterricht erteilt, erfährt er intensiv die körperliche Schwerstarbeit.
Sein Kollege Prof. Dr. August Schick hat das in Zahlen erfasst. Sportlehrer sind nicht selten 90 bis 100 Dezibel Lärm ausgesetzt, stellt er fest. An industriellen Arbeitsplätzen ist bei einem solchen Pegel das Tragen von Gehörschutz vorgesehen.

Die Folge ist, dass Sportlehrer mit 50 nicht mehr so flott in die Trainingshose kommen. Bei einem Altersdurchschnitt von 45 Jahren gibt es also viele Lehrer, denen die Kräfte beim Geräteaufbau, bei der Hilfestellung oder schon beim Disziplinieren von Gruppen mit 30 Schülern schwinden. Zudem wächst der Frust über die Nutzlosigkeit der Arbeit. In einer siebten Klasse mit 30 Leuten in einem Hallendrittel Sport zu treiben, ist reine Beschäftigungstherapie, winkt Dr. Werner Schmidt ab, einer der Autoren der aktuellen Schulsport-Studie.

Ulf Gebken will trotzdem nicht locker lassen. Das Problem liegt nicht unbedingt in der Grundschule, eher in der Sekundarstufe I, da brechen die 12- und 13-Jährigen weg, stellt er fest. Das Gegenmittel erfordert bestens ausgebildetes Personal: Man muss geduldig nach den Stärken der Schüler forschen und differenzierte Leistungsangebote machen.

Selbst in ihren Bewegungen einem unwuchtigen Autoreifen ähnelnde dickere Schüler lassen sich damit gewinnen. Ringen, Kämpfen, Judo oder Karate finden bei ihnen großen Anklang weiß Gebken.

Er kennt auch andere Mut machende Beispiele: In Warfleth an der Weser hat ein engagierter Lehrer Kanupolo zum großen Renner am Schulzentrum gemacht. In Oldenburg steht an der IGS Flötenteich bei den Mädchen Einradfahren hoch im Kurs. Und im ostfriesischen Wiesmoor haben Schüler, Lehrer und Kommune die KGS mit einem rundum gelungenen Bewegungspark eingekreist.

Die Landesregierung kann sich kaum Anteile an solchen Erfolgsmeldungen anschreiben. Sie hat im August 2004 klammheimlich die dritte Sportstunde gestrichen moniert Gebken. Und wenn der Experte aus den Rahmenrichtlinien für den Sport im Lande zitiert, wird es duster: Die stammen von 1982/84 und handeln auf vielen Seiten vom nicht sehr beliebten klassischen Gerätturnen. Inline-Skating, Beach-Volleyball, Wakeboard oder Triathlon gab es damals noch nicht.

NWZ-online 14.12.2004
 

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